Die unbequeme HR-Frage

Warum bringen unsere Talente nicht die erwartete Wirkung?

Sehr geehrte HR-Verantwortliche, sehr geehrte Führungskräfte,

viele Organisationen können heute mit Stolz sagen:
Wir rekrutieren gute Leute.
Wir investieren in Weiterbildung.
Wir identifizieren High Potentials.

Und doch bleibt eine ernüchternde Beobachtung bestehen:

Die Wirkung bleibt hinter dem Potenzial zurück.

Teams liefern unter ihren Möglichkeiten.
Zusammenarbeit kostet mehr Energie, als sie freisetzt.
Einzelne Leistungsträger kompensieren strukturelle Schwächen – bis sie erschöpft sind oder gehen.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht mehr:

Haben wir genug Talent?

Sondern:

Warum entfaltet vorhandenes Talent nicht die erwartete Wirkung?

1. Talent ist sichtbar – Wirkung entsteht im System

HR arbeitet seit Jahren professioneller denn je:

  • Kompetenzmodelle
  • Potenzialanalysen
  • Leadership-Programme
  • Engagement-Surveys

Und trotzdem zeigt die Praxis:

Talent ohne funktionierendes Team- und Leadership-System verpufft.

Die Bibel beschreibt dieses Prinzip zeitlos und erstaunlich organisationsnah:

„Zwei sind besser als einer; denn sie haben guten Lohn für ihre Mühe.“ 
(Prediger 4,9)

Nicht Talent allein erzeugt Ertrag – sondern koordiniertes Zusammenwirken.

2. Die stille Realität in vielen Organisationen

In Gesprächen mit HR-Leitungen tauchen immer wieder dieselben Muster auf:

  • Teams sind fachlich stark, aber emotional fragmentiert
  • Führungskräfte managen Aufgaben, aber moderieren keine Beziehungen
  • Konflikte bleiben latent und kosten Produktivität
  • Zusammenarbeit hängt von Einzelpersonen ab, nicht vom System

Das ist kein individuelles Versagen.
Es ist ein strukturelles Defizit.

3. HR zwischen Anspruch und Wirklichkeit

HR steht heute unter enormem Erwartungsdruck:

  • strategischer Partner des Business sein
  • Kultur gestalten
  • Führung entwickeln
  • Transformation begleiten

Doch viele Instrumente greifen zu kurz, weil sie den Menschen isoliert entwickeln, nicht aber das Team als Wirkungseinheit.

„Denn wie der Leib einer ist und doch viele Glieder hat … so ist es auch …“
(1. Korinther 12,12)

Ein System funktioniert nur dann gut,
wenn seine Teile aufeinander abgestimmt sind.

4. Die unbequeme Diagnose

Wenn Talente vorhanden sind, aber Ergebnisse ausbleiben, liegt das selten an Motivation oder Kompetenz.

Meist fehlt:

  • Klarheit über Rollen im Team
  • Gemeinsame Verantwortung statt individueller Optimierung
  • Führungskompetenz im Umgang mit Spannungen
  • Eine gemeinsame Sprache für Zusammenarbeit

Das ist der blinde Fleck vieler HR-Strategien.

5. Eine neue HR-Schlüsselfrage

Statt zu fragen:

  • „Welche Talente brauchen wir noch?“

wird eine andere Frage entscheidend:

Wie gut sind unsere bestehenden Talente tatsächlich miteinander verbunden?

Oder biblisch formuliert:

„Wenn einer fällt, so hilft ihm sein Gefährte auf.“
(Prediger 4,10)

Wo das nicht geschieht, bleibt Leistung fragil.

6. Warum jetzt Handlungsbedarf besteht

Organisationen stehen heute unter:

  • höherem Veränderungsdruck
  • steigender Komplexität
  • wachsender Unsicherheit

Das verstärkt systemische Schwächen gnadenlos.

HR wird künftig daran gemessen, ob es gelingt, Zusammenarbeit wirksam zu gestalten –
nicht nur individuelle Entwicklung zu ermöglichen.

Ausblick auf Teil 2

Im nächsten Teil dieser Serie geht es um eine zentrale Erkenntnis:

Warum Talententwicklung ohne Teamfokus teuer, gut gemeint – aber letztlich ineffektiv ist.

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