Wo Führung wirklich entsteht: Der Teamalltag als entscheidender Faktor

Leadership in Practice: How Team Dynamics Shape Impact

HR-Leadership-Serie – Teil 3

Sehr geehrte HR-Verantwortliche, sehr geehrte Führungskräfte,

Führung wird heute so intensiv trainiert wie nie zuvor.
Modelle, Frameworks, Kompetenzprofile und Leadership-Programme sind etabliert, fundiert und gut evaluiert.

Und doch hören HR-Abteilungen immer wieder dieselbe Rückmeldung aus dem Business:

„Unsere Führungskräfte wissen viel – aber sie wirken zu wenig.“

Die Ursache liegt selten im fehlenden Wissen.
Sie liegt im Ort, an dem Führung tatsächlich entsteht.

1. Der Irrtum: Führung entsteht im Trainingsraum

Seminare sind wichtig. Sie schaffen:

  • Orientierung
  • Sprache
  • gemeinsame Referenzmodelle

Doch sie erzeugen noch keine Führung.

Denn Führung zeigt sich nicht:

  • wenn Flipcharts gefüllt werden
  • wenn Modelle diskutiert werden
  • wenn Rollen theoretisch geklärt sind

Führung zeigt sich dort, wo:

  • Konflikte nicht mehr vermeidbar sind
  • Entscheidungen Konsequenzen haben
  • Emotionen im Raum stehen
  • Leistung unter Druck entstehen muss

„Wer im Geringsten treu ist, der ist auch im Großen treu.“
(Lukas 16,10)

Leadership beginnt im Kleinen – im Alltag.

2. Der Teamalltag ist der wahre Prüfstein

Der Alltag von Teams ist selten sauber strukturiert:

  • widersprüchliche Erwartungen
  • knappe Ressourcen
  • unausgesprochene Konflikte
  • Zielkonflikte zwischen Bereichen

Genau hier entscheidet sich Führung.

Typische Alltagssituationen:

  • Ein Konflikt wird vertagt, statt moderiert
  • Verantwortung wird delegiert, aber nicht getragen
  • Leistung wird eingefordert, ohne Klarheit zu schaffen
  • Harmonie ersetzt Klartext

All das ist Leadership – oder dessen Abwesenheit.

3. Warum viele Führungskräfte hier scheitern

Viele Führungskräfte wurden entwickelt für:

  • Zielvereinbarungen
  • Performance-Reviews
  • Projektsteuerung

Aber nicht für:

  • Spannungsmoderation
  • psychologische Sicherheit
  • Rollenklärung im Team
  • Feedback unter Unsicherheit

Das ist kein individuelles Versagen.
Es ist eine systemische Lücke in der Führungskräfteentwicklung.

„Eisen schärft Eisen, ebenso schärft ein Mensch den andern.“
(Sprüche 27,17)

Führung entsteht im Gegenüber – nicht im Alleingang.

4. HR steht an einem Wendepunkt

HR kann heute entscheiden,
ob Führung weiterhin primär vermittelt
oder endlich im Kontext entwickelt wird.

Das bedeutet:

  • Arbeit mit realen Teams statt Fallstudien
  • Reflexion konkreter Situationen statt hypothetischer Modelle
  • Entwicklung von Beziehungskompetenz, nicht nur Methoden

Menschen verändern ihr Verhalten nicht,
weil sie es verstanden haben,
sondern weil sie es gemeinsam erlebt und reflektiert haben.

„Seid aber Täter des Wortes und nicht Hörer allein.“
(Jakobus 1,22)

5. Was wirksame Führungskräfteentwicklung heute braucht

Wirksame Programme:

  • begleiten Führungskräfte im Alltag
  • integrieren Teamfeedback
  • machen Spannungen besprechbar
  • schaffen gemeinsame Sprache im Team

Leadership wird dort gelernt,
wo Führung täglich stattfindet.

6. Die entscheidende HR-Frage

Die zentrale Frage lautet nicht mehr:

„Haben unsere Führungskräfte genug Training erhalten?“

Sondern:

„Sind unsere Führungskräfte in der Lage, Teams unter realen Bedingungen wirksam zu führen?“

Oder anders gesagt:

Entwickeln wir Führung für die Bühne – oder für den Maschinenraum der Organisation?

Ausblick auf Teil 4

Im nächsten Teil dieser Serie geht es um einen der größten Irrtümer moderner Organisationen:

Warum Teamkultur kein Soft Skill ist, sondern ein messbarer Business-Treiber.

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